
Lochner am Gold-Ziel: Endlich besser als Onkel Rudi
Veröffentlicht: Dienstag, 17.02.2026 20:55
Zweierbob bei Winterspielen
Cortina d'Ampezzo (dpa) - Der geschlagene Erzrivale Francesco Friedrich gratulierte als Erster, dann feierte Gold-Hansi mit der Deutschland-Fahne die olympische Krönung seiner Karriere. Johannes Lochner ist erstmals Olympiasieger, deklassierte die Zweierbob-Konkurrenz vor den Augen von Edel-Fan Jürgen Klopp im Eiskanal von Cortina d'Ampezzo.
Der zweitplatzierte Friedrich lag am Ende der vier Läufe gewaltige 1,34 Sekunden zurück, holte bei Olympia erstmals keine Goldmedaille. Adam Ammour komplettierte als Dritter mit 1,82 Sekunden Rückstand das deutsche Podium.
Bester der Familie Lochner
Nach vielen, vielen zweiten Plätzen hinter Friedrich versüßt dieses Gold Lochner die direkt nach den Spielen beginnende Bob-Rente unermesslich. Seine Frau Hannah hatte eigens T-Shirts mit der Aufschrift «The last dance» bedrucken lassen - nun war schon der vorletzte Tanz der schönste. Am Wochenende strebt Lochner in der Königsdisziplin Viererbob das Double in Angriff und würde damit Friedrich den Aufstieg zum erfolgreichsten Bob-Piloten bei Olympischen Spielen vermasseln.
Der von allen nur Hansi gerufene Berchtesgadener zeigte nach zwei zweiten Plätzen in Peking vor vier Jahren nun in Cortina sein Ausnahmetalent an den Lenkseilen. Damit hat der 35-Jährige endlich Onkel Rudi überholt, der 1992 Silber im kleinen Schlitten gewonnen hatte. Jetzt ist der Hansi der erfolgreichste Bobfahrer in der Familie.
Größter Abstand im Zweierbob seit 46 Jahren
Nachdem Lochner vor vier Jahren in Peking mit 0,49 Sekunden Abstand von Friedrich auf Rang zwei verwiesen wurde, fuhr der achtmalige WM-Zweite diesmal einen geschichtsträchtigen Vorsprung mit dem kleinen Schlitten heraus. Die 1,34 Sekunden haben Seltenheitswert. Vor 46 Jahren raste der Schweizer Erich Schärer in Lake Placid zu Zweierbob-Gold und verwies den DDR-Bob von Bernard Germeshausen mit 1,57 Sekunden auf Rang zwei. Seitdem gab es immer nur knappe Rennen.
Der souveräne Weltcup-Gesamtsieger ging nach Start- und Bahnrekord im ersten Lauf mit satten 0,80 Sekunden Vorsprung auf Friedrich in den Finaltag. Im dritten Durchgang vergrößerte er seinen Vorsprung vor dem erneut patzenden Friedrich auf 92 Hundertstelsekunden. Der in Lauf eins auf Platz zwei gefahrene Olympia-Debütant Adam Ammour sicherte mit Alexander Schaller Rang drei ab und komplettierte den deutschen Dreifacherfolg, den es auch vor vier Jahren in Peking schon gegeben hatte.
Lochner bei Kufenwahl und Fahrlinie besser
Da die Deutschen allesamt mit dem FES-Schlitten der Baunummer 211 unterwegs sind, kam es am Ende auf Kufenwahl und Fahrlinie an. Zwar vermutete Friedrich, dass sein Dauerrivale «am Set-up irgendwas gefunden hat, was wahnsinnig gut läuft». Doch der Bayer konterte prompt: «Das mag er gerne glauben.» Im gleichen Atemzug verwies er auf seine Fahrlinie. «Wenn man genau hinschaut, sieht man schon, dass ich ein bisschen anders fahre als die anderen. Das ist einfach das Geheimnis hier auf der Bahn», sagte Lochner.
Mit seinem Können an den Lenkseilen ging ihm «die Bahn total gut von der Hand. Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt. Es sind minimalste Lenkbewegungen genau an der richtigen Stelle», analysierte Lochner und ergänzte, «dass Francesco an vielen Stellen mehr zu kämpfen hat, mehr lenkt».
Das summiere sich. Bei den großen Abständen spiele die Kufenwahl dann eher eine untergeordnete Rolle. Nach dpa-Informationen fuhr Lochner wie auch Friedrich eigens präparierte Kufen. Auffällig ist auch: Der Bayer fährt mit Spoiler am Helm, der Sachse ohne.
Lochner und Fleischhauer setzten Dominanz aus dem Weltcup fort
Die Dominanz im neu gebauten Cortina Sliding Centre deutete sich schon im Weltcup an. Lochner gewann mit Fleischhauer sechs von sieben Rennen. Nur einmal war er hinter Friedrich, als er ausgerechnet in Sigulda mit dessen Ex-Anschieber Thorsten Margis an den Start ging. «Wir machen genauso weiter, so wie die ganze Saison schon. Das sind optimierte Abläufe», sagte Modellathlet Fleischhauer. Der Anschieber präsentiert seinen gestählten Körper auch auf der Erotik-Plattform OnlyFans.
Friedrich, der mit seiner fünften Goldmedaille im Viererbob zum erfolgreichsten Bob-Piloten bei Winterspielen aufsteigen könnte, hatte diesmal auch nicht den gewohnten Startvorsprung. Die Arbeit im Team Lochner mit Athletik-Trainer Kevin Kuske, der einst André Lange zu vier Olympiasiegen schob, hat sich ausgezahlt.
